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Man kann nicht nicht wirken
«Es kommt nicht darauf an, was wir tun, sondern wie wir etwas tun.» Davon ist Christian Leschzyk überzeugt. Gestern referierte er auf Einladung der Handels- und Industrievereinigung Flawil: Über die Wirkung, die jeder auf jeden hat.
FLAWIL. Raiffeisen-Direktor Roland Klotz trug sie, Gemeindepräsident Elmar Metzger nicht: die Kravatte. Ein Jackett hatten sie beide an, offen, um nicht zugeknöpft oder allzu distanziert zu wirken. Die richtige Wahl, die korrekte Entscheidung für einen Business-Apéro der Handels- und Industrievereinigung Flawil. Dies sagte Christian Leschzyk, Inhaber der Imageagentur «Stilgerecht» gestern mittag am HIF-Impuls-Apéro vor rund 25 Gästen aus Industrie, Handel und Gewerbe. Und die Kravatte? «Nicht Pflicht, aber durchaus passend.» Kleider machen irgendwie doch Leute, vermitteln aber vor allem Botschaften, die vom Gegenüber interpretiert werden. «Wer «underdressed» erscheint, verliert seine Glaubwürdigkeit, wer «overdressed» auftritt, den Kontakt zum Kunden», sagte Leschzyk.
«Man kann nicht nicht wirken»
Wer mit Menschen in Interaktion tritt, wirkt zwangsläufig auf ihn. Nicht nur über die Art der Bekleidung, auch über das Verhalten und die Form der Kommunikation. Leschzyk zeigte in seinem Referat «Man kann nicht nicht wirken» auf, dass die Wirkung einer Person vom Gegenüber individuell wahrgenommen wird, und stellte fest: «Es ist möglich und entscheidend, die persönliche Ausstrahlung aktiv zu beeinflussen, damit man so wahrgenommen wird, wie man wirken möchte.» Und weil Menschen andere Personen stets ganzheitlich betrachteten, genüge es nicht, bloss auf passende Kleidung zum passenden Anlass zu achten: «Das Zusammenwirken von äusserem Erscheinungsbild, Verhalten und Kommunikation ist entscheidend.»
Zauberwörter und Gesten
Zauberwörter öffnen, sagte Christian Leschzyk. Danke, bitte, ja, gerne sind nur einige Beispiele. Wichtig sei zudem, sein Gegenüber stets mit dem Namen anzusprechen. Genauso entscheidend seien die körpersprachlichen Elemente – beispielsweise der Blickkontakt und die direkte «Face to face»-Position bei Gesprächen. Leschzyk nannte diese Körperhaltung «N+N»-Kontakt: Nase zu Nase, Nabel zu Nabel». «Im gegenseitigen Austausch kommen nur gerade 35 Prozent der Botschaften so an, wie sie gemeint waren; 65 Prozent sind Interpretation des Gegenübers», sagte der Referent. «Wir interpretieren, ob wir wollen oder nicht, richtig oder falsch.» Anhand der genannten Prozentsätze machte Christian Leschzyk deutlich, wie wichtig es gerade im Kundenkontakt ist, die Spielregeln zu kennen. Auch in Bezug auf das Verhalten.
Tabuzone Chefsessel
Pünktlichkeit nannte er als Beispiel. «Fünf Minuten vor dem Termin bezeichnete er als ideal – eine Minute zu spät als fatal, als Zeichen von Geringschätzung. Genauso fatal sei das Missachten territorialer Grenzen. «Es wirkt schlecht, wenn man sich auf den Chefsessel setzt.» Es komme jedoch gut an, wenn bewusst Aufmerksamkeit geschenkt werde: durch aktives Zuhören, Blickkontakt, durch Fragestellungen und ein stumm geschaltetes Telefon.
Wirkungs- und Wahrnehmungskommunikation ist auch ein Experimentierfeld, auf dem sich die Teilnehmenden beim anschliessenden Mittagessen versuchen konnten.
