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Die Kunst des Small Talks

Ein Gespräch mit den Kollegen am Kaffeeautomaten oder mit dem Konferenznachbarn kann mehr Nutzen bringen, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Expertentipps.

Ein Gespräch über das Wetter oder das Fussballspiel am Vorabend ist eine Kunst, in der man sich regelmässig üben sollte. Dieser Meinung ist jedenfalls Nicole Veser, die gemeinsam mit Christian Leschzyk die Kommunikationsagentur Stilgerecht gegründet hat. "Ein Unternehmer, der Small Talk beherrscht, hat beim Knüpfen neuer Kontakte bessere Karten", macht Nicole Veser deutlich. "Die Fähigkeit zum Networking kann sich wiederum positiv auf die Karriere auswirken. Und Small Talk bietet die Chance, zum Gesprächsbeginn eine positive Stimmung zu schaffen." Das findet auch Urs Kolb, Direktor der Druckerei Ostschweiz Druck mit Sitz in Wittenbach (SG). "Unseren Mitarbeitern geht die Kommunikation nach einer Fortbildung zu diesem Thema viel leichter von der Hand. Einige unserer langjährigen Beschäftigten haben daraus zudem eine neue Motivation für eine Charmeoffensive bei den Kunden gewonnen."

Lohnenswert ist das souveräne Beherrschen der Small-Talk-Kunst vor allem deshalb, weil ein solches Gespräch, wenn es denn wirkungsvoll geführt wird, die Beziehung zu potenziellen oder bestehenden Kunden stärken kann. "Ein Unternehmer, der seine Kunden gut kennt, kann sie auch besser an die Firma binden", betont Nicole Veser. Das ist umso wichtiger, als Empfehlungen in den Geschäftsbeziehungen weiterhin eine Schlüsselrolle spielen. "Verschiedene Studien belegen, dass persönliche Empfehlungen einen grösseren Einfluss auf das Kaufverhalten haben als die vom Unternehmen produzierte Werbung. Wenn ein Unternehmer in einem informellen Gespräch auf eine unaufgesetzte Art die Tätigkeit seiner Firma erwähnt, trägt das zu einer positiven Wahrnehmung bei. Small Talk kann sich ausserdem förderlich auf das Selbstvertrauen auswirken. Wer es kann, wird als Gesprächspartner beliebter, sowohl innerhalb als auch ausserhalb der Firma."

Ein Gespräch zu beginnen, das mit einem Vertragsabschluss enden soll, ist nicht immer leicht, egal ob bei einer Konferenz oder einem Kundentermin. Daher ist es für Unternehmer und ihre Mitarbeitenden auf jeden Fall sinnvoll, ihre Talente in diesem Bereich zu schulen. "Wenn wir mit Hilfe von Small Talk die Neugier der Kunden wecken, wird es einfacher sie für unser Unternehmen zu interessieren", weiss Peter Meister, Chef des Bauunternehmens Kobelt AG in Marbach im Kanton St. Gallen. "Nach dem Seminar, das unser Verkaufspersonal besucht hat, konnten wir rasch erste positive Effekte beobachten. Es fiel ihnen leichter, Besucher an unserem Messestand anzusprechen und sie in ein Gespräch zu verwickeln. So konnten wir bereits mehrere Kontakte zu potenziellen Kunden aufbauen. Beim telefonischen Nachfassen, das bei meinen Mitarbeitern nicht immer besonders beliebt war, fühlen sie sich ebenfalls wohler, da sie mehr Übung darin haben, einen ungezwungenen Gesprächseinstieg zu finden. Die Beherrschung von Small Talk kann sich selbst dann noch als nützlich erweisen, wenn das Gespräch bereits gut angelaufen ist, weil man eventuelle Gesprächspausen damit mühelos überbrücken kann."

Eine Frage der Strategie

Anders als man annehmen könnte, erfordert Small Talk eine gewisse Vorbereitung. "Als erstes muss man sich fragen, bei welcher Gelegenheit der Small Talk zum Einsatz kommen soll", erklärt Monika Seeger, Geschäftsführerin der Firma Imagenow GmbH. "Wenn es sich um eine Veranstaltung eines Unternehmens handelt, kann man sich dessen Website ansehen, um genauere Informationen über die Aktivitäten zu erhalten. Es kann auch vorteilhaft sein, den Namen des Veranstalters, den Ablauf des Programms oder sogar die Namen der Gäste zu kennen." Nach diesen Vorbereitungen sollte man ein Outfit aussuchen, das dem Anlass angemessen ist und zur angestrebten Wahrnehmung passt.

Last but not least sollte sich der "Smalltalker" mit einem Arsenal an möglichen Gesprächsthemen ausrüsten. "Am einfachsten ist es, Zeitung zu lesen, damit man in Sachen Sport, Kultur oder Wirtschaft auf dem Laufenden ist", meint Monika Seeger. "Man muss aber aufpassen, dass man nicht vom Weg abkommt. Beim Small Talk wird zwischen positiven Themen wie Wetter, Hobbys, Kino, Urlaub und kontroverseren Angelegenheiten unterschieden: Themen wie Politik, Religion, Geld oder Krankheit sollten besser vermieden werden." Und wenn man es dennoch mit einem Gesprächspartner zu tun bekommt, der ein Thema einbringt, über das man nicht sprechen möchte, kann man sich der Situation immer höflich entziehen, indem man eine Brücke zu einem anderen Thema schlägt. "Man sollte dabei einen geeigneten Moment abpassen, sich beim anderen Gesprächspartner für die Unterbrechung entschuldigen und dann das Thema wechseln oder sagen, dass man eine gerade hereingekommene Person begrüssen möchte", erklärt Monika Seeger. "Eine andere Ausflucht kann sein, dass man sich entschuldigt, um an der Bar noch ein Getränk zu holen."

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