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| Stilgerecht - Ein Porträt |
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Context das Magazin der KV Schweiz hat ein Porträt über uns geschrieben. Aus Sicht des Redakteurs Ingo Boltshauser.
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Knigges Erben
Stilgerecht. Nicole Veser Leschzyk, 41, und Christian Leschzyk, 47, haben 2005 die Image-Agentur «Stilgerecht» gegründet. Seither tragen sie mit wachsendem Erfolg Geschmack und Manieren in die Geschäftswelt
Ein Auszug aus einem Interview mit Ingo Boltshauser, Redakteur des Context
Diese Geschichte beginnt zu Hause im Schlafzimmer. Was um alles in der Welt soll man anziehen, wenn man zwei Hohepriester des guten Stils besuchen will? Ein Ehepaar, das es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, Umgangsformen, gutes Benehmen und stilsicheren Geschmack in die Welt zu bringen?
Der Blick in den Kleiderschrank fällt ernüchternd aus. Kein Stück darin entspricht den hohen Anforderungen an den Anlass, und die paar, die wenigstens halbwegs genügen würden, sind schon ziemlich in die Jahre gekommen. Schliesslich entscheide ich mich für meine Standardkluft: Jeans, Hemd, ausnahmsweise in der Hose und nicht darüber, und eine schwarze Jacke, die nie aus der Mode geraten kann, weil sie noch nie modisch war.
Einige Stunden später sitze ich dann mit Nicole Veser Leschzyk und Christian Leschzyk im Schulungsraum ihrer Firma «Stilgerecht» in Wolfhalden. An einem schönen Tag könnte der Blick von hier fast ungehindert über den Bodensee und das Rheindelta gleiten, doch heute hängen die Wolken schwer und tief über der Ostschweiz. Der Raum erinnert ganz und gar nicht an ein Schulzimmer, sondern eher an die First-Class Lounge einer Fluggesellschaft mit modernen, in gedeckten Farben gehaltenen Ledersesseln und Salontischchen, gedämpfter Beleuchtung und dezent gesetzten, gepflegten Accessoires.
Dezent und gepflegt sind auch meine Gesprächspartner: Er im dunkelblauen Anzug, mit weissem Hemd und heller Krawatte, die blonden Haare akkurat gescheitelt. Sie im schwarzen Hosenanzug mit weisser Bluse, oberster Knopf offen. Leicht overdressed für den Anlass, geben die beiden zu, doch später komme ja noch der Fotograf.
Zur Gesprächseröffnung gibt es Small Talk. Small Talk, erinnere ich mich, in einem Interview mit Christian Leschzyk gelesen zu haben, sei zum Auftakt eines Gesprächs ideal, um eine angenehme Atmosphäre zu schaffen. Irgendwann werde ich gefragt, warum ich ein Porträt über sie schreiben wolle, und als ich mit «Neugierde» antworte, greift Nicole Veser das Stichwort auf: «Leider ist der Begriff Neugierde negativ besetzt. Dabei ist Neugierde, oder anders ausgedrückt Interesse am Mitmenschen, eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Kommunikation.» Und schon sind wir sehr elegant mitten im Thema.
Im Ernst, die beiden machen das sehr gut. Sie schaffen innert Kürze eine entspannte Gesprächsatmosphäre, wirken offen und interessiert. Aber wenn man mit den Inhabern einer Firma für Imageberatung, Business-Knigge und Kundenfreundlichkeit über ihr Kerngebiet spricht, schwingt immer auch die Frage mit, was von ihrem Verhalten natürlich ist und was aufgesetzt: War die zwanglose Plauderei zu Beginn echtes Interesse oder bewusste Klimapolitik? Welche Signale sende ich mit meiner Sitzhaltung aus? Hat Nicole Veser einfach so ihr linkes, mir abgewandtes Bein übergeschlagen, oder steuert sie ihre Körpersprache bewusst so, dass sie damit Gesprächsbereitschaft signalisiert? Sie lacht: «Auch wenn man sich beruflich mit diesen Fragen auseinandersetzt, kann man seine Körpersprache nicht vollständig kontrollieren. Wenn Sie mir unsympathisch sind oder das Gespräch mich langweilt, dann werde ich das ausstrahlen, ob ich nun will oder nicht. Aber selbstverständlich kann man sich einiger Verhaltensmuster bewusst werden und daran arbeiten.»
Meine Sitzhaltung interpretiert Christian Leschzyk übrigens völlig richtig als offen, aber leicht angespannt. Der Kugelschreiber, den ich instinktiv mit den Fingerspitzen beider Hände halte, sei ein guter Blitzableiter, der verhindere, dass ich nervös herumzapple: «Das ist eine Empfehlung, die wir unseren Kunden sehr oft geben.»
Vorurteile überwinden
Die Firma «Stilgerecht» hat drei Hauptbetätigungsfelder: Sie gibt Einzelcoachings für Personen, die ihren Auftritt gezielt verbessern wollen, sie unterrichtet an Schulen und in Seminaren und sie berät Firmen, die an ihrem Kundenauftritt arbeiten wollen. Besonders herausfordernd ist der letzte Bereich: Wenn ganze Belegschaften zur Weiterbildung in Sachen Umgangsformen und Kleidung antraben müssen, sind Widerstände fast zwangsläufig vorprogrammiert. «Bei unserer Arbeit werden wir sehr oft mit dem Vorurteil konfrontiert, Imageberatung sei der Versuch, Menschen umzukrempeln», sagt Leschzyk. «Meist können wir solche Klischees in unseren Schulungen aber schnell abbauen, denn nichts liegt uns ferner.»
Um was geht es bei ihrer Arbeit dann, wenn nicht darum, Menschen in eine Schablone zu pressen? «Unser Hauptanliegen ist es, die Kommunikation zu fördern», erklärt Leschzyk. «Dabei geht es einerseits darum, Erwartungshaltungen von Kunden zu erfüllen, andererseits aber auch, authentisch zu bleiben. Wer eine Rolle spielt, wirkt unglaubwürdig.»
Konkret sieht das so aus: Eine Firma, zum Beispiel eine grössere Gemeindeverwaltung, erteilt «Stilgerecht» den Auftrag, den Kundenauftritt zu verbessern. Gemeinsam wird dann erarbeitet, welche Erwartungen von den Kunden an die Verwaltung gestellt werden. Danach arbeitet man daran, wie diese besser erfüllt werden könnten. Zum einen tangiert das den optischen Auftritt, sprich die Kleidung. Das heisst nicht zwangsläufig dass alle einen Anzug oder ein Deuxpièces tragen müssen. «Zentral ist auch hier die Erwartungshaltung der Kunden. Man muss nicht möglichst vornehm gekleidet sein, sondern so, dass man Kompetenz und Professionalität ausstrahlt», sagt Nicole Veser. Im Fall einer Gemeindeverwaltung wäre zu gehobene Kleidung sogar kontraproduktiv, «denn das wird nicht erwartet, und die Kunden wären irritiert und verunsichert».
Aber es gibt auch Tabus, die im Kundenkontakt zu beachten sind. Dazu gehören kurze Hosen, bauchfreie T-Shirts, Flip-Flops oder abgetragene, schmutzige Kleidung. Nicole Vesers Erfahrung zeigt, dass sich im Durchschnitt 70 Prozent der Kursteilnehmenden in einer akzeptablen Bandbreite bewegen, egal in welcher Branche die Schulungen durchgeführt werden. «Rund ein Viertel muss man motivieren, sich besser zu kleiden und sich den Gepflogenheiten des Betriebes anzupassen. Ausserdem gibt es auch immer ein paar Wenige, die man bremsen muss, weil sie über das Ziel hinausschiessen.»
Manchmal muss man der Einsicht aber auch auf die Sprünge helfen. Nicole Veser erinnert sich an einen Schreinermeister, dem sie empfahl, in Arbeitskleidung zu den Kunden zu gehen, weil das Fachkenntnis ausstrahle, und der dies partout nicht glauben wollte. Also schlug sie ihm ein Experiment vor: Zu zwei Gesprächen mit Neukunden sollte er in seinem gewohnten Look erscheinen, aber seinen Drittjahr-Lehrling in korrekter Arbeitskleidung mitnehmen. Resultat: «Nach wenigen Augenblicken lief das Gespräch vollständig über den Lehrling.»
Innere Haltung
Mindestens so wichtig wie das Äussere sei auch das richtige Auftreten, sagt Christian Leschzyk. «Eigentlich ist es ganz einfach», erklärt er. «Wenn man freundlich ist und sich ernsthaft für die Anliegen des Gegenübers interessiert, hat man das Wichtigste schon begriffen. ‹Was kann ich für Sie tun?› - Das ist im Kundenkontakt die zentrale Frage, nach der man sich richten sollte.» Der Rest sind ein paar elementare Regeln, die zur Unterstützung dienen: Augenkontakt herstellen, angenehm kräftiger Händedruck, sich korrekt vorstellen, lächeln am Telefon («versuchen Sie es einmal mit einem Kollegen, man hört es wirklich», sagt Leschzyk) und so weiter. «Die meisten Menschen sind ja nicht desinteressiert oder unfreundlich. Aber sie strahlen dieses Interesse nicht aus. Auf das Gesprächsklima haben solche Kleinigkeiten aber einen grossen Einfluss.»
Oft genügt es schon, wenn Leschzyk und Veser das Verhalten des Gegenübers in einer Trainingssituation ganz einfach spiegeln. «Viele sind sich ja gar nicht bewusst, wie sie auf andere wirken. Wenn sie das am eigenen Leib erfahren, fällt es ihnen wie Schuppen von den Augen, und sie sind bereit, an ihrem Verhalten zu arbeiten.» Allerdings relativiert er: «Die innere Haltung muss stimmen. Ausserdem muss die Kultur im Betrieb auch gelebt werden. Es funktioniert nicht, sich nach aussen kundenfreundlich zu geben, wenn man sich intern keine Wertschätzung entgegenbringt.»
Das ganze Interview können Sie unter folgendem Link lesen: http://www.kvschweiz.ch/Context/Aktuelle_Ausgabe/Leben_Knigge_11_08
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